Ergotherapie zielt darauf ab, die Handlungsfähigkeit von Menschen zu fördern, die durch Krankheiten, Verletzungen oder andere Einschränkungen eingeschränkt ist.

Sie unterstützt Menschen dabei, Alltagsaufgaben, wie Selbstversorgung, Arbeit und Freizeit, wieder selbstständig ausführen zu können, indem sie gezielte Aktivitäten und Anpassungen vornimmt. Ziel ist es, die persönliche Lebensqualität und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu verbessern. 

Was Handlungsfähigkeit in der Ergotherapie bedeutet

  • Alltagsbewältigung: Menschen sollen wieder in der Lage sein, die für sie wichtigen und ihnen von der Gesellschaft gestellten Aufgaben für sich zufriedenstellend zu erfüllen.
  • Selbstständigkeit: Die Fähigkeit soll wiedererlangt werden, den Alltag möglichst selbstständig zu gestalten.
  • Teilhabe: Das Ziel ist, eine selbstbestimmte Teilnahme am sozio-kulturellen Leben zu ermöglichen.
  • Umfassendes Konzept: Handlungsfähigkeit wird als komplexes, ganzheitliches Konzept verstanden, das die Person, ihre Umwelt und die konkrete Tätigkeit betrachtet. 

Wie Ergotherapie die Handlungsfähigkeit verbessert

  • Handlungsorientierung: Die Therapie ist alltagsnah und handlungsorientiert aufgebaut.
  • Individuelle Anpassung: Ergotherapeuten analysieren und behandeln die spezifischen Einschränkungen, sei es körperlich, geistig oder psychisch, und passen Aktivitäten oder die Umwelt an die Möglichkeiten des Patienten an.
  • Gezieltes Training: Es werden gezielte Übungen durchgeführt, um Fähigkeiten wie Kraft, Beweglichkeit oder Feinmotorik zu trainieren (z.B. das Greifen von kleinen Gegenständen).
  • Motivation durch sinnvolle Tätigkeiten: Das therapeutische Potenzial von bedeutungsvollen Aktivitäten wird genutzt, um das Selbstwertgefühl und die Kompetenzen zu stärken. 

Was bedeutet Betätigung in der Ergotherapie?

Betätigungen sind nicht nur einfache Bewegungen, sondern Handlungen, die dem Leben eines Menschen Sinn, Zweck und Struktur verleihen. Sie umfassen alles, was Menschen tun, um für sich selbst zu sorgen, ihr Leben zu meistern und zur Gesellschaft beizutragen. 

Die Ergotherapie unterteilt Betätigungen in drei Hauptbereiche: 

  • Selbstversorgung: Essentielle tägliche Handlungen wie Essen, Anziehen, Körperpflege und Mobilität.
  • Produktivität: Aufgaben im Zusammenhang mit Arbeit, Ausbildung, Haushaltsführung und Verantwortlichkeiten.
  • Freizeit: Aktivitäten für Entspannung, Hobbys, Spiel, Sport und soziale Teilhabe. 

Rolle der Betätigung in der Therapie

Die Betätigungsorientierung ist ein zentraler Ansatz in der Ergotherapie. Das bedeutet: 

  • Klientenzentrierung: Die Therapie konzentriert sich auf die spezifischen Betätigungen, die für den einzelnen Klienten persönlich wichtig sind, nicht nur auf generelle Funktionen.
  • Zielgerichtetheit: Die Therapieziele werden direkt aus den Betätigungsanliegen des Klienten abgeleitet. Es geht darum, die Fähigkeit zur Ausführung dieser spezifischen Aktivitäten zu verbessern, anstatt nur isolierte motorische oder kognitive Funktionen zu trainieren.
  • Alltagsnähe: Die Arbeit an den Betätigungen findet möglichst realitätsnah statt, um den Transfer der erlernten Fähigkeiten in den tatsächlichen Alltag (z. B. zu Hause oder am Arbeitsplatz) zu gewährleisten.
  • Ganzheitlicher Ansatz: Die Therapie berücksichtigt das Zusammenspiel zwischen dem Klienten, seiner Umwelt und der gewünschten Betätigungsausführung, um eine zufriedenstellende Teilhabe am Leben zu ermöglichen. 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Ergotherapie Menschen dabei unterstützt, die für sie bedeutungsvollen Betätigungen, die sie tun wollen, müssen oder von ihnen erwartet werden, wieder auszuführen, um ihre Lebensqualität und Selbstständigkeit zu steigern.

In der Ergotherapie bedeutet Klientenzentrierung, dass:

  • Ziele gemeinsam festgelegt werden: Die Therapieziele basieren auf den persönlichen, bedeutungsvollen Betätigungswünschen (z. B. "Ich möchte wieder selbstständig kochen können"), nicht nur auf medizinischen Diagnosen.
  • Der Klient Experte für sein Leben ist: Der Therapeut agiert als Berater und Begleiter, während der Klient die Richtung vorgibt.
  • Ressourcen des Klienten genutzt werden: Die Therapie baut auf den Stärken, Fähigkeiten und dem Umfeld des Klienten auf.

Kommunikation auf Augenhöhe stattfindet: Es herrscht eine partnerschaftliche Beziehung, keine hierarchische Anordnung. 

Zusatzinformationen oder Bereichsnavigation