Konzept


AWO Pflege & Betreuung gGmbH
Demenz Wohngemeinschaft

Wie es zu der Idee kam

Aufgrund verstärkter Nachfragen in den letzten 24 Monaten von Klienten des ambulanten Pflegedienstes, aber auch von Menschen, die sich mit Beratungsbedarf für die Versorgung ihrer Angehörigen mit Demenz und Altersverwirrung an die AWO Pflege & Betreuung gGmbH wandten, erkannte die AWO Pflege & Betreuung gGmbH einen dringenden Handlungsbedarf im Hinblick auf die Weiterentwicklung der pflegerischen Infrastruktur für Menschen mit Demenz im Hohenlohekreis.
Die Ratsuchenden berichteten von einer nicht mehr zu bewältigenden Überlastung bei der Pflege im familiären Umfeld. Um aber Selbstbestimmung ihrer Angehörigen und auch weitgehende Möglichkeiten der eigenen Mitwirkung bei der Pflege und Betreuung ihrer Angehörigen zu gewährleisten, entsprach die Unterbringung ihrer zu pflegenden Angehörigen in einem Heim nicht den Vorstellungen. Eine Alternative musste gefunden werden. Auch die Tagespflege war hier kein geeignetes Angebot, da Menschen mit Demenz oft einen verkehrten Tag/Nachtrhytmus bzw. nächtliche Unruhe sowie einen starken Bewegungsdrang haben. Eine geeignete Wohnform, in der auf die speziellen Bedürfnisse von Menschen mit Demenz eingegangen werden kann, sollte gefunden werden.
So wurde die Idee der Gründung einer Demenz WG geboren.

Zielgruppe

In der Demenz WG sollen an Demenz erkrankte ältere Menschen ab 60 Jahren ein Zuhause finden. Auf Nachfrage ist auch der Einzug jüngerer Menschen, bei denen eine Demenz diagnostiziert wurde, möglich.

Ziele

Den Mietern der Wohngemeinschaft soll die Möglichkeit geboten werden, unterstützt durch Angehörige, andere nahe stehende Menschen und ihre Betreuer, ihr Leben möglichst selbstbestimmt in einem sicheren, familiären, sozial vernetzten Umfeld fortzuführen und sich in der Wohngemeinschaft geborgen und zuhause zu fühlen.
Zentrale Idee ist eine an der Normalität orientierte Organisation des Tagesablaufs. Beispielsweise soll den WG-Mitgliedern die Gelegenheit gegeben werden, sich an der Erledigung alltäglicher Aufgaben (wie z.B. Kochen) zu beteiligen. Auch die Wohnung und das Wohnumfeld sollen möglichst „normal“ sein.
Die Verantwortlichkeit der Angehörigen und nahe stehender Personen sowie der Betreuer für die Alltagsabläufe, Entscheidungen zur Alltagsgestaltung, Pflege und Betreuung der Mieter, um so die Unabhängigkeit der Bewohner zu gewährleisten, ist hierbei ein wesentlicher grundlegender Faktor.
Gestaltung, Größe und Zusammensetzung der WG
Für 3 Menschen wird eine ca.120qm große rollstuhlgerechte, barrierefreie, großzügige, helle, freundliche Wohnung gebaut. Die WG steht sowohl männlichen als auch weiblichen Mietern offen, wobei die Auswahl neuer Mieter nach Abstimmung mit Auftraggebergemeinschaft erfolgt.
Die Wohnung liegt direkt im Stadtkern von Öhringen in unmittelbarer Nähe von Hofgarten, Kultura und diversen Einkaufsmöglichkeiten. Sie wird sich im ersten Obergeschoss eines von der AWO Pflege & Betreuung gGmbH erbauten Hauses befinden. Die Wohnung wird über einen Aufzug sowie Treppenhaus erreichbar sein. Im Haus befinden sich im Erdgeschoss Büroräume der AWO. Im zweiten und dritten Obergeschoss des Hauses wird sich die Tagespflege der AWO Pflege & Betreuung gGmbH befinden, welche die Bewohner der Demenz WG besuchen dürfen aber nicht zwingend müssen oder gar sollen.
Jeder Mieter erhält ein ca.15 qm großes Einzelzimmer (Südseite) mit großem Fenster. In jedem der Zimmer wird ein eigenes Waschbecken vorhanden sein. Die Zimmer können nach eigenem Geschmack ausgestattet (Tapeten, Gardinen, Lampen) und mit eigenen Möbeln eingerichtet werden, um privates Ambiente zu ermöglichen und den Umzug und das Eingewöhnen in der neuen Umgebung zu erleichtern. Von Seiten des Vermieters dürfen Kleintiere nach Genehmigung mit in die WG einziehen, soweit sie sachgerecht versorgt werden. Die Einzelzimmer sind Privatbereich und sollen verschließbar, jedoch im Notfall auch über Generalschlüssel von außen zu öffnen sein.
Zur gemeinschaftlichen Nutzung werden in der Wohnung folgende Räume zur Verfügung: gestellt: eine Küche mit großem Essbereich, ein Wohnzimmer, ein Bad mit Badewanne sowie ein separates WC. Alle diese Räume werden von der AWO sachmäßig, qualitativ hochwertig eingerichtet und ausgestattet.

Die gesamte Wohnung wird rollstuhlgerecht gebaut. In den Sanitärräumen werden Haltegriffe angebracht. Die Toiletten sind erhöht angebracht.
Ferner ist ein Raum für Betreuungspersonal der Wohngemeinschaft berücksichtigt, sollten die Bewohner einmal intensivere Betreuung, wenn nötig auch in der Nacht, benötigen. Diese Betreuungsperson kann die Teeküche sowie das WC und die Dusche im EG nutzen.
Über eine Funkanlage wäre das Geschehen gerade in der Nacht gut zu überwachen.

Umsetzung

a) Gründungsphase
Grundvoraussetzung ist, dass sich die Mietinteressenten, vertreten durch ihre Angehörigen und/bzw. gesetzlichen Vertreter zu einer unabhängigen Auftraggebergemeinschaft zusammenfinden, um die Gestaltung des Alltags und vor allem die Sicherstellung der Pflege & Betreuung und hauswirtschaftlichen Versorgung gemeinschaftlich zu organisieren und zu gewährleisten.
b) Akteursgruppen und Rollenverteilung
- Die unabhängige Auftraggebergemeinschaft, bestehend aus Angehörigen und gesetzlichen Vertretern, sichert die strukturelle Unabhängigkeit der Mieter respektive ihrer gesetzlichen Vertreter sowohl gegenüber dem Vermieter als auch gegenüber Pflege- und Betreuungsdiensten. Die Auftraggebergemeinschaft wird in der Rechtsform einer GbR tätig werden. Die Auftraggebergemeinschaft wird folgende Tätigkeiten wahrnehmen: Absprache der Tagesgestaltung; Sicherung vertragsgemäßer Leistungen des Pflegedienstes; Entscheidung über die Anschaffung gemeinschaftlicher Gegenstände, Wahl des gemeinsamen Pflegedienstes, Festsetzung von monatlichen Zahlungen in die Haushaltskasse; Entscheidung über das Anwesenheitsrecht von Dritten, Entscheidung über die Neuaufnahme von Mietern, Lösung von Konflikten; Entscheidung über den Ausschluss von Mietern.
- Die Vermietung der einzelnen Zimmer und Gemeinschaftsflächen erfolgt über die AWO Pflege & Betreuung gGmbH gegenüber den einzelnen Mietern. Auf diese Weise können finanzielle Unsicherheiten, etwa wenn vorübergehend eine Weitervermietung nicht möglich ist, drohen, die die Stabilität der Gesamtkonzeption beeinträchtigen könnten, aufgefangen werden.
- Die Betreuung und die Sicherstellung der Pflege der WohngemeinschaftsbewohnerInnen erfolgt durch ambulante Dienste in Öhringen bzw. durch den jeweils gewählten ambulanten Pflegedienst, mit dem die Auftraggebergemeinschaft entsprechende Verträge abschließen wird. Die Bewohner respektive die Auftraggebergemeinschaft sind frei in der Wahl der Dienste und können diese, wie es im Pflege- und Krankenversicherungsrecht generell vorgesehen ist, jederzeit kündigen. Das Gleiche gilt für die hauswirtschaftlichen Dienste, die entsprechende Präsenz und hauswirtschaftliche Aufgaben in den Wohngruppen übernehmen.
Durch dieses Zusammenspiel der verschiedenen Akteure und die Art der Kooperationsstruktur bei der Realisierung der Wohngemeinschaft wird die strukturelle Unabhängigkeit der BewohnerInnen sichergestellt.

Zusatzinformationen oder Bereichsnavigation